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Die Stadt Bern hat zusammen mit dem Jazzverein BeJazz einen Kompositionsauftrag im Wettbewerb ausgeschrieben, der nicht nur eine Projekteingabe erforderte, sondern auch grundsätzliche Fragen zum Sinn und Zweck nicht nur der eigenen künstlerischen Arbeit beantwortet wissen wollte.
Auszug aus der offiziellen Verlautbarung: |
BeJazz: Fünf Kompositionsaufträge und Aufführungen
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In seinem Werk «Der Mitmacher Ein Komplex» hat sich Friedrich Dürrenmatt eingehend und in origineller Weise mit den oben umrissenen Themen beschäftigt und ist in Form einer genialen «Komödie», so die Bezeichnung des Meisters für sein Bühnenstück, zu spannenden Antworten gekommen.
| Das BeJazz-Projekt nimmt das Werk von Friedrich Dürrenmatt als Ausgangspunkt und Vorlage zur inhaltlichen Vertiefung des Festivalthemas.Es geht allerdings nicht darum, das Stück musikalisch untermalt neu zu inszenieren.Vielmehr sollen sich Musikschaffende anhand des «Mitmachers» und des philosophisch-selbstkritischen Nachwortes von Dürrenmatt an die Thematik des Festivals annähern und sich mit Fragen nach ihrer persönlichen Verantwortung, nach dem Wesen ihres eigenen künstlerischen Schaffens und dem tieferen Sinn ihrer Arbeit auseinandersetzen. |
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Niesciers Projekt wurde augewählt und der Kompositionsauftrag wurde erteilt.
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ist also von Dürrenmatts Buch inspiriert:
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- das Theaterstück: ein Stück über Sprachlosigkeit, über die Problematik des Systems (als gesellschaftliches Modell), über Verzweiflung, Hilflosigkeit, Tatenlositgeit, Gleichgültigkeit, Instrumenatlisierung des Individuums, Aufbegehren, innere Entwicklung...
- das Nachwort und Nachwort zum Nachwort: Texte/ Gedanken über das Scheitern, Gedanken über die innere Entwicklung als Künstler, über den Wert und Sinn von Kritik und Publikumszuspruch...
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| Nach der eingehenden Lektüre und Anlayse des Theaterstückes und der Begleittexte wurde klar, daß vor Allem drei Figuren als "Formeln" für die Interaktion des Individuums mit dem System (dieses nicht |
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| nur als ein Gesellchaftssystem übersetzt, sondern eher als eine komplexe Struktur, die sich durch Differenzierung und immer spezifischere Organisation des/ der Individuen herauskristallisiert) als Inspiration dienen werden: Doc, Cop und Bill |
Auszug aus dem Programmheft:
Drei Charaktere aus Dürrenmatts Stück sind die Inspiration für Angelika Niesciers Projektidee. Die Figuren Doc, Cop und Bill begreift sie als Formeln für die Interaktion mit oder - nach Dürrenmatt - das Scheitern an der Gesellschaft. Sie dienen als Vorlage und Ausgangspunkt der Performance, welche die Existenz eines Systems skizziert, das nicht nur von der Thematik des Scheiterns dominiert wird. Vielmehr wird der Zuschauer Zeuge, wie auf der einen Seite das Individuum auf unterschiedliche Art Versuche der Entwicklung, der Selbstbehauptung unternimmt und wie diese auf der anderen Seite das System beeinflussen (können). Mit der ungewöhnlichen Besetzung, bestehend aus vier klassischen Stimmen und einem Jazztrio, schafft die Saxophonistin und Komponistin eine organische Vielfalt von modernern Klängen und differenzierten Stimmungen.Niesciers Komposition wird visuell untermalt durch Videokunst, die Originalfotos, -zeichnungen und -skripte Dürrenmatts einbindet.
Die Komposition war mit einer Videoperformance geplant- und nachdem Niescier viele sehr interessante Stunden im Dürrenmatt-Archiv in Bern recherchiert hat (hier nochmal einen ganz herzlichen Dank an Herrn Rudolf Probst für die kompetente Betreuung) war klar, daß Originalmaterial von Dürrenmatt selbst (Probenfotos der Aufführungen in Zürich und Mannheim, Originalmanuskriptseiten mit Notizen, Ausschnitte aus dem SWR-Fernsehmitschnitt der von Dürrenmatt inszenierten Theateraufführungen) benutzt wird (und wurde).
Die Besetzung war schnell gefunden: Jazztrio (drums, bass, saxes) und die Erfüllung einer langgehegten Klangvision: größeres klassisches Gesangsensemble/ Chor. Aus dem Chor wurden drei (fantastische) Sängerinnerinnen ( Sopran und zwei Alt) und ein (fantastischer) Sänger (Tenor).
Vor dem ersten geschrieben Ton einer solchen komplexen Arbeit waren mehre Meter Skizzen und Entwürfe nötig...
Bei aller Konzeption ist das Stück sehr organisch und eine sehr gelungene Verbindung zwischen neuer klassischer Musik und modernem Jazz.
In der Komposition in fünf Teilen wechseln lyrischer Sound mit Groove , abstrakte Klänge mit jazzigen Akkorden. Freie Sprachpassagen, rhythmische Sprechteile und Libretto (basierend auf Originalzitaten) haben genauso Raum im Stück wie alle Arten von Improvisation. 50 Minuten hochspannender Musik, performt von hochkarätigen Musikerinnen und Musikern!
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Die Umsetzung eines solchen Werkes steht und fällt mit der Besetzung.
Zum großen Glück konnte für den Vokalpart die schweizer Créme des jungen klassichen Gesangs gewonnen werden. Hier gebührt Nina Grunder großer Dank- sie hat goldene Vorschläge zur Besetzung gegeben.
Die Sängerinnen und Sänger sind:
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| Marysol Schalit-Sopran |
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Nina Grunder- Alt |
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Leila Pfister- Alt |
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Phil Motelli- Tenor |
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Jede/r von ihnen hat nicht nur einen fantastischen persönlichen Sound- zusammen haben die vier als Gesangsensemble und gemeinsam mit der Band einen einmaligen und sehr flexiblen Klang kreiert. Dazu konnte die Komposition von dem langjährig bewährten und in vielen verschiedenen Projekten gewachsenen Zusammenspiel, Sound und Insipration von:
Sebastian Räther - Kontrabass
Christoph Hillmann- Schlagzeug und
Angelika Niescier - Saxophone, Bassklarinette
profitieren.
Das gesamte Ensemble meisterte die ohne Zweifel anstrengende und intensive Probezeit entspannt, konzentrtiert und sehr engagiert.
Das wäre allerdings nicht möglich gewesen ohne die immense Hilfe seitens des Vereins BeJazz . Ganz speziell großer Dank gilt Fabio Bächthold - er hat sich unermüdlich und stets sehr freundlich um alle Probleme gekümmert- angefangen von Raumangelegenheiten und Equipment hin bis zum Lichtfahren während der Performance.
Herzlichen Dank auch an unseren Betreuer am Tag der Performance, Andreas Funk und ebenso Michael Bonanomi, der bei der Premiere eine so lobende Ansage über das Projekt, die Komposition und die Musikerinnen und Musiker gesprochen hat. Schliesslich auch Fire Widmer, der sich sehr professionell und gleichzeitig entspannt um den Sound gekümmert hat.
Natürlich nicht zu vergessen die konstante projektbezogene und allgemeine Hilfe von Daniel Schläppi.
Die Videokunst hat Jörg Pfeiffer erschaffen- inclusive der eigenen Idee und Umsetzung einer speziell für die Performance erschaffenen Leinwand.
Die Besetzung im Überblick:
Marysol Schalit- Sopran
Nina Grunder-Alt
Leila Pfister- Alt
Phil Motelli- Tenor
Angelika Niescier- Komposition, Saxophone, Bassklarinette
Sebastian Räther-Kontrabass
Christoph Hillmann- Schlagzeug
Jörg Pfeiffer- Videokunst
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