Iingo Petz, Kölnische Rundschau April 2001 über das Konzert im loft, Köln
Aufregendes Kölner Jazzprojekt "sublim" im Loft
Im Zeichen des Fliegenbeins

Die Fliege fliegt und schwirrt, ist in Todesangst wegen der Klatsche, die sie verfolgt, dann ist wieder Ruhe. Irgendwann aber hat es unseren kleinen Flieger doch erwischt, und er ist tot auf einem Kuchenteller gelandet. das süße Sahnestück hatte sich Angelika Niescier in einem Essener Café bestellt, zum Glück für die tierische Beilage. denn so endete die Fliege als Inspiration für eine Jazzkomposition.
"Fliegenbein" stand als vorletztes Stück des rund dreistündigen Sets aus dem Projekt "sublim" der 30- Jährigen Saxophonistin noch einmal für die klangmalerisch sorgsam konstruierten Gebäude, die das Ausnahme-Quartett um die Wahlkölnerin bei seinem überzeugenden Abend im ehrenfelder Loft bot. Die markanten Kompositionen der im polnischen Stettin geborenen Niescier wurzeln entweder traditionell in breit gefächerten Melodiebögen oder in zeitgenössischen Improvisationsausflügen. Ihre Mitmusiker zieht sie wie durch ein für die gewaltig aufgetürmte Musik viel zu kleines Nadelöhr, und zwar ohne musikalische Kollateralschäden
Dabei ist die ausgezeichnete Rhythmusgruppe um den Schlagzeuger Christoph Hillmann und den Bassisten Sebastian Räther keine beiläufige Begleitnummer, sondern eine Symbiose aus zwei stark individualistischen Musikern. Als besonders beeindruckend zeigte sich hier ihr Rhythmikspiel im Minimalismusbereich, swingy und groovy trotz gering eingesetzter Mittel. Am Flügel saß der zurzeit ohne Frage spannendste Pianist aus NRW, Hans Lüdemann, Dozent an der Kölner Musikhochschule. Auch der auf avantgardistischen Pfaden wandelnde Musiker reihte sich nicht trotz, sondern wegen seiner ausgeprägten Individualität harmonisch in das große Ensemblespiel ein, ohne seinen Charakter untergehen zu sehen.
Niescier hielt mit ihrem anregenden Spiel und ihrer scheinbar unbegrenzten technischen Vielfältigkeit de Fäden in der Hand. Mit ihrer Band findet sie ein gemeinsames "Atmen", das nach dem "Mit-dem-Blick-auf-die-Mitte" -Mechanismus funktioniert. "Alle für einen, einer für alle" heißt es bei "sublim", das so zu einem der zurzeit aufregendsten Jazzprojekte wird.

Saxophonistin Angelika Niescier ist vielseitig- die Wahlkölnerin hat sich mit ihrem ausdruckstarken Spiel in Soloprogrammen und verschiedenen Jazzformationen einen Namen gemacht. Auch für "sublim" fand sie namhafte Musiker.

Foto: Wohlrab

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