cantus lucis

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Remscheider Gerneralanzeiger 16.05
Bergische Biennale: Uraufführung von Angelika Niescier

 Von Frank Becker

Wermelskirchen. Es gibt sie zum versöhnlichen Ausgleich für Stress, die beglückenden Momente des Erlebens von Musik. Die Bergische Biennale für Neue Musik, die zur Zeit das Bergische Land "bespielt", hatte am Sonntag ein solches Erlebnis zu bieten: Im Forum des Gymnasiums Wermelskirchen bot das junge Sinfonieorchester der Musikgemeinde unter Leitung von Alfred Karnowka mit einem Jazztrio die Uraufführung des "cantus lucis" von Angelika Niescier.

Die Kölnerin, die an der Musikschule Wermelskirchen unterrichtet, lieferte mit dieser Auftragsarbeit abermals einen Beleg, dass wie bei Strawinsky kein Widerspruch in der Verschmelzung von sinfonischen Klangkörpern mit Jazz-Ensembles liegt.

 Der "cantus lucis" ist von der Idee her die musikalische Umsetzung von abstrakten Bildern des Malers Heinz Engels, die während der Aufführung auf zwei Leinwände projiziert wurden. Die Musik genügt der Anforderung exzellent, mehr noch, sie kann monolithisch auch ohne die "Vorlage" bestehen. Auch bei geschlossenem Auge (oder am Lautsprecher) wird Niesciers Komposition ihre begeisternde Wirkung entfalten.

 Der Kontrabass (Sebastian Räther) setzt zu einem tiefen Dauerton an, das Altsaxofon Angelika Niesciers fällt ein, Oboe (Thomas Mattiesson) und Streicher nehmen den Ton, die Stimmung auf - schließlich die Flöten. Die entrückende Musik schlägt einen beziehungsreichen Bogen, berührt orientalische Elemente, scheint Ravel zu zitieren und bewegt sich in der Nähe des innovativen norwegischen Jazz.

 Angelika Niescier bewies sich nicht nur als hervorragende Tonsetzerin, sondern in der sensiblen Behandlung ihrer beiden Saxofone als Virtuosin von Rang. Sie in Partitur und Improvisation zu erleben, erhöhte noch den Genuss der gelungenen Jazz-Sinfonie. Eine Reprise schloss nach 50 Minuten das Buch "cantus lucis", doch das begeisterte Publikum ließ Solisten und Orchester erst nach einer Zugabe gehen.

 

(weitere Presse folgt bald!)


Am Anfang ist das Kunstwerk.
Die emotionale Bindung an ein Bild. Eine ganz besondere, eigene Ästhetik, die berührt.
Nur wenn ein Kunstwerk fähig ist, eine emotionale Resonanz hervorzurufen, kann diese in Musik transferiert werden.

Letztlich  schöpfen beide Künste, beide Künstler- Maler und Musiker - die Inspiration aus etwas Unbeschreiblichen.
Wie eine abstrakte Idee letztendlich zum Konkreten Bild, zum konkreten Klang wird, kann kein Künstler beschreiben. Dieser äusserst intime Vorgang ist eine ganz persönliche Verbindung des Künstlers zum Sein.
Maler manifestieren diese Verbindung in Farbe und Form. Musiker manifestieren diese Verbindung im Klang und Struktur.
Farbe und Klang, hörbare Bilder, visuelle Musik,
Licht und Ton: CANTUS LUCIS - Gesang des Lichts.

Hier also in der Aufgabe, etwas Konkretes in etwas so Flüchtiges wie den Klang zu verwandeln.

Die Stimmungen der drei Bilder (das Tryptichon immer als eine Einheit aufgefasst) determinieren den Aufbau der Komposition.
Nach dem einzig gültigen Prinzip in der Musik- Spannung und Entspannung- wird der Fluss des Gesamtwerkes geplant.
Die Analyse der Bilder hinsichtlich Farbe, Formsprache, gestalterischen Materials inspriert zu musikalischen Pendants. Hier werden die Bilder zu mehr als blosser Inspiration, doch dürfen die musikalischen Entsprechungen ebenso wenig rein programmatisch werden.
Neben dieser interessanten Problematik stehen die vielfältigen Möglichkeiten eines so grossen Klangkörpers und die gleichzeitige Einschränkung, eines Laienorchesters ist. Die Komposition muss also den Fähigkeiten der verschiedensten Musiker und Musikerinnen Rechung tragen. Die Waage zwischen Herausforderung und Überforderung zu halten ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe- aber nur dank der einzelnen Spieler, nur dank der Identifikation der Musiker mit dem geschrieben Material erklingen keine blossen Noten, sondern Musik. Das Geschriebene ist ohne des Ausführenden vollkommen obsolet.
Das gross Ziel- wie in jeder meiner kompositorischen Arbeit ist, interessante Kompositionen mit modernen Tonmaterial mit Improvisation zu verbinden.

Intro
Der Anfang.
Der Maler vor der leeren Leinwand
Der Klang , der sich aus dem Nichts entwickelt
Nach und nach entstehende Strukturen und Formen

Part I
Kälte, Statik, Winter
Erstarrte Formen, zum Stillstand gekommenes Leben
Starre, die jenseits der Hoffnungslosigkeit liegt- kalte Selbstaufgabe
Vollkommene Erschöpfung jeglicher lebendiger emotionaler Zustände

 Part II
Das Tryptichon
Lebendigkeit
Die Farbe Blau in vielen verschiedenen Zuständen- ein Hauptthema, das dementsprechend aus- und durchgeführt wird
Strukturen
Konjugiertes Bildvokabular:
Tänzerisch/ Statisch
Verspielt/  Stoisch
Vielfältig/ Monumental

 Part III
Rot
Energie im Ganzen und im Detail
Explodierende Emotionalität
Gewaltige Vereinnahmung der Fläche
Ausladende Bewegung

Finale
Erinnerung der bemerkenswertesten Impressionen


Fotos: Susanne Wittelsbürger